Postoperatives Belastungsschmema Wirbelsäulenoperationen

Liebe PatientInnen!

Hier finden Sie eine Anleitung, wie Sie sich nach unterschiedlichen Wirbelsäulenoperationen verhalten sollen und können. Dies ist kein strenger Plan sondern soll vielmehr eine Richtlinie sein, von der in alle Richtungen abgewichen werden kann.

Diese Informationen sind ebenfalls für Ihren weiterbetreuenden Arzt/Ärztin gedacht.

 

Allgemeine Informationen nach der Operation

Thrombosevermeidung (Vermeidung von Blutgerinnseln)

Die neue AWMF S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (Version 4.0, Januar 2026) enthält erstmals aktualisierte Empfehlungen speziell für Wirbelsäulenoperationen. Danach sind symptomatische thromboembolische Komplikationen bei elektiven (planbaren) Eingriffen an der Wirbelsäule insgesamt eher selten. Die Entscheidung über Art und Dauer einer medikamentösen Prophylaxe wird individuell und risikoadaptiert getroffen – dabei wird das VTE-Risiko stets gegen das Risiko einer Nachblutung (epidurales Hämatom) abgewogen.

Grundsätzlich erhalten Sie während des stationären Aufenthaltes eine Thromboseprophylaxe als Spritze unter die Haut (z.B. Clexane 0,4 ml 1×tägl. s.c.). Nach der Entlassung ist diese bei normaler Mobilisierung meist nicht fortzuführen. Bei längeren oder mehrsegmentalen Eingriffen sowie bei erhöhtem persönlichem Risiko (z.B. Übergewicht, frühere Thrombose, eingeschränkte Mobilität) kann eine Verlängerung auf bis zu 7 Tage sinnvoll sein. Die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Thrombosen bleibt die zügige Mobilisierung!

Pflaster nach der Operation

Sie bekommen ein Kunststoffpflaster auf die OP-Narbe, welches in der Regel bis zum Fadenzug (rund 14 Tage nach der Operation) NICHT gewechselt werden muss. Duschen ist mit diesem Pflaster ab dem OP-Tag möglich!

 

Mögliches Postoperatives Schmerzmanagement 1 (bei kleineren Operationen)

Medikament

empf. Einnahme

empf. Dosierung

Dauer

Tramabian 75/650 mg

 

1-0-1-0

alle 6h / Maximaldosis 8Tbl./Tag

3-5 Tage

Ibuprofen 600mg

1-1-0-1

alle 4h / Maximaldosis 4Tbl./Tag

3-10 Tage

Novaminsulfon 500mg

b. B. (Schmerzreserve)

alle 6-8h / Maximaldosis 4x2Tbl./Tag

 

 

Mögliches Postoperatives Schmerzmanagement 2 (bei größeren Operationen)

Medikament

empf. Einnahme

empf. Dosierung

Dauer

Tilidin 100/8mg oder:

Tilidin 50/4mg

 

1-0-1-0

alle 12h / Maximaldosis 200-400mg/d (2-4Tbl./Tag bzw. 4-6Tbl./Tag)

3-5 Tage

Ibuprofen 600mg

1-1-0-1

alle 4h / Maximaldosis 4Tbl./Tag

3-10 Tage

Novaminsulfon 500mg

b. B. (Schmerzreserve)

alle 6-8h / Maximaldosis 4x2Tbl./Tag

 

 

 

 

Lumbale Bandscheibenoperation / Sequestrektomie (bei Bandscheibenvorfall)

  • direkt postoperativ I
    • Aufstehen / Mobilisierung achsgerecht in Begleitung ab OP-Tag möglich
    • Schmerzschema 1
    • Sitzen, Stehen oder Gehen sind uneingeschränkt möglich
  • direkt postoperativ II
    • aktive Physiotherapie (1:1) mit isometrischem Muskeltraining, Rückenschulung und Mobilisierung
    • Ergotherapie mit Verhaltenstherapie/Edukation zu wirbelsäulengerechtem Verhalten
    • leichte sportliche Betätigung
    • Fahrradfahren
    • Autofahren kurze Strecken
  • ab 6. Woche postoperativ weiter gezielter Muskelaufbau ohne Einschränkung
  • ambulante Rehabilitationsmaßnahme ab 6. Woche postoperativ möglich
  • Keine Orthese

 

 

Lumbale Dekompressionsoperation

  • direkt postoperativ I
    • Aufstehen / Mobilisierung achsgerecht in Begleitung ab OP-Tag möglich
    • Schmerzschema 1
    • Sitzen, Stehen oder Gehen sind uneingeschränkt möglich
  • direkt postoperativ II
    • aktive Physiotherapie (1:1) mit isometrischem Muskeltraining, Rückenschulung und Mobilisierung
    • Ergotherapie (Verhaltenstherapie/Edukation), Rückenschulung und freie Mobilisierung
  • ab 2. Woche postoperativ
    • leichte sportliche Betätigung
    • Fahrradfahren
    • Autofahren kurze Strecken
  • keine Rehabilitationsmaßnahme
  • keine Orthese

 

 

 

Lumbale Fusionsoperation / dynamische Stabilisierung

  • direkt postoperativ I
    • Aufstehen / Mobilisierung achsgerecht in Begleitung ab OP-Tag möglich
    • wenn ein Redon eingelegt wurde: Entfernung meist am 1. Tag nach der Operation
    • Schmerzschema 2
  • direkt postoperativ II
    • Ergotherapie mit Verhaltenstherapie/Edukation, Rückenschulung und stabilisierende Rückenübungen und freie Mobilisierung mit einem Physiotherapeuten (1:1)
    • Gang- und Haltungsschule
  • Sitzen, Stehen oder Gehen sind uneingeschränkt möglich
  • ab 3.-6. Woche postoperativ
    • leichte sportliche Betätigung
    • Fahrradfahren
    • Autofahren kurze Strecken
  • ab 2.-3. Monat postoperativ
    • gezielter Muskelaufbau / rückenstabilisierende physiotherapeutische Übungen
    • physiotherapeutische Übungen der Rumpfmuskulatur in gerader Stellung der Wirbelsäule
  • lange Sitz- und Stehperioden durch kurzzeitiges Umhergehen unterbrechen
  • Kontaktsport frühestens 12 Monate postoperativ
  • keine Orthese
  • Rehabilitationsmaßnahme ambulant/stationär nach 3 – 6 Monaten möglich (im Rahmen einer komplexen Rehabilitation)
  • Röntgenkontrolle 3 und 12 Monate nach der Operation

 

 

Lumbale Bandscheibenprothese / ventrale lumbale Fusion (Operation durch den Bauch)

  • direkt postoperativ I
    • Aufstehen / Mobilisierung achsgerecht in Begleitung ab OP-Tag möglich
    • Schmerzschema 2
    • !! Beim Drehen / Aufstehen händischer Schutz der Narbe / OP-Zuganges für ca. 3 Wochen !!
    • bei Implantation einer Bandscheibenprothese für ~ 6 Wochen niedrigdosierte NSAR zur Ossifikationsprophylaxe
    • hier ist kein Faden zu ziehen!
  • direkt postoperativ II
    • Ergotherapie mit Verhaltenstherapie/Edukation, Rückenschulung und stabilisierende Rückenübungen und freie Mobilisierung mit einem Physiotherapeuten (1:1)
    • Gang- und Haltungsschule
  • Sitzen, Stehen oder Gehen sind uneingeschränkt möglich
  • ab 3.-6. Woche postoperativ
    • leichte sportliche Betätigung
    • Fahrradfahren
    • Autofahren kurze Strecken
  • ab 4.-6. Woche postoperativ
    • aktive Physiotherapie (1:1) mit isometrischem Muskeltraining, Rückenschulung und Mobilisierung
    • Ergotherapie mit Verhaltenstherapie/Edukation zu wirbelsäulengerechtem Verhalten
  • ab 8. Woche postoperativ weiter gezielter Muskelaufbau ohne Einschränkung
  • ambulante Rehabilitationsmaßnahme ab 6. Woche postoperativ möglich
  • Keine Orthese

 

 

Zervikale Operation (Fusion, Implantation Bandscheibenprothese)

  • direkt postoperativ I
    • Aufstehen / Mobilisierung achsgerecht in Begleitung ab OP-Tag möglich
    • Lokale Kühlung !!!
    • Schmerzschema 1
    • hier ist kein Faden zu ziehen!
  • direkt postoperativ II
    • Ergotherapie mit Verhaltenstherapie/Edukation, Rückenschulung und freie Mobilisierung mit einem Physiotherapeuten (1:1)
    • Gang- und Haltungsschule
    • stabilisierende Rückenübungen, freie Mobilisierung mit einem Physiotherapeuten (1:1)
  • Sitzen, Stehen oder Gehen sind uneingeschränkt möglich

 

  • ab 2. Woche postoperativ
    • sportliche Betätigung
    • Fahrradfahren
    • Autofahren
  • Röntgenkontrolle 3 und 12 Monate nach der Operation
  • bei Implantation einer Bandscheibenprothese für ~ 6 Wochen niedrigdosierte NSAR zur Ossifikationsprophylaxe